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Rückenschmerz adé

Während manche Produkte sehr gut online bestellt werden können, gibt es andere, die objektiv und subjektiv zum Kunden passen müssen. Ob Möbel, Schuhe oder Schulranzen: Wer sich für den Kauf in einem Fachgeschäft entscheidet, erwartet Qualität. Das gilt nicht nur für das Produktsortiment, sondern auch für die Beratung. Dabei sollten nicht reine Verkaufsinteressen im Vordergrund stehen, sondern die individuellen Bedürfnisse des Kunden. Häufig mangelt es den Verkäufern jedoch an Fachwissen. Gerade wenn es um die Rückengesundheit geht, kann das fatal sein – Schmerzen und Verspannungen sind vorprogrammiert. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. schult ausgewählte Fachhändler verschiedenster Branchen rund um das Thema Rückenschmerzen.

Besonders im Bereich Ergonomie ist der Produktdschungel groß. Kunden wissen meist nicht, welche Anforderungen rückengerechte Alltagsgegenstände erfüllen müssen und sind deshalb auf qualifizierte Kaufberater angewiesen. In AGR-zertifizierten Fachgeschäften können sich Verbraucher auf eine auf sie zugeschnittene Beratung verlassen und erhalten fachkundige Antworten auf ihre Fragen. Auch rückengerechte Produkte, die mit dem unabhängigen Gütesiegel „Geprüft und empfohlen“ von der AGR ausgezeichnet wurden, sind dort zu finden. Expertentipp: Vorab beim Fachgeschäft anrufen, damit der Berater genügend Zeit für eine umfassende Beratung einplanen kann.

Geprüfte Qualität durch Fachschulungen

Die gute Beratungsqualität und das fundierte Fachwissen der Verkäufer stellt die AGR mit einem regelmäßigen, speziell entwickelten Lehrgang sicher. „Wir vermitteln ausgewählten Fachhändlern und ihren Mitarbeitern neben anatomischen Grundlagen auch fundiertes Grundwissen im Bereich der multidisziplinären und medizinischen Ergonomie“, erklärt Geschäftsführer Detlef Detjen. „Neben den Funktionen der Wirbelsäule, dem Aufbau und den Aufgaben der Muskulatur und dem Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen und Bändern sind auch die Inhalte und Ziele der Rückenschule ein fester Bestandteil der Schulung“. Nur wer den Schulungsprozess durchläuft und die Kenntnisse in einer Prüfung nachweist, erhält anschließend das Prädikat „AGR-zertifiziertes Fachgeschäft“. Für Mitarbeiter von Bettenfachgeschäften gibt es einen zusätzlichen staatlich zugelassenen Premium Fernlehrgang. Der Fokus liegt auf Schlaf- und Rückenproblemen. Das langfristige Ziel der AGR: Weitere vertiefende Premium-Fernlehrgänge für verschiedene Branchen anbieten.

Unter www.agr-ev.de/fachgeschäfte finden Interessierte qualifizierte Fachhändler in ihrer Nähe.

15.10.2020 DGA | Quelle: Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.

Arthrose im Knie: Dem Verschleiß frühzeitig vorbeugen

Bei vielen Tätigkeiten in der Bauwirtschaft gehört es dazu, auch im Knien zu arbeiten. Doch kann eine arbeitsbedingte Dauerbelastung durch häufiges Knien oder Hocken zur Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose) führen. Sie ist eine häufig auftretende Berufskrankheit des Muskel-Skelett-Systems. Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich jedoch wirksam gegensteuern. Darauf weist die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) in Berlin hin und gibt Tipps, was konkret getan werden kann. Zu den Unterstützungsangeboten gehört auch das "Kniekolleg".

Über 7.300 Verdachtsanzeigen auf Gonarthrose verzeichnete die BG BAU in den letzten zehn Jahren. Allein im Jahr 2019 wendete sie für Heilbehandlungen, Reha und Renten mehr als acht Millionen Euro auf. Nach Angabe des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) entfielen im Jahr 2019 im Baugewerbe fast ein Drittel aller Arbeitsunfähigkeitstage auf Gelenkerkrankungen.

Neben genetischen Faktoren und Übergewicht ist vor allem Verschleiß die Ursache für die Gonarthrose. Wird das aus Knochen, Sehnen, Muskeln, Bändern und Nerven bestehende hochkomplexe Kniegelenk bei der Arbeit zu stark belastet, kann es im Laufe der Zeit schleichend erkranken. Besonders beansprucht sind Boden-, Estrich-, Fliesen-, Parkettleger sowie Steinsetzer, Pflasterer, Installateure und Dachdecker.

So geht's weniger auf die Knochen

"Dabei gibt es praktische Maßnahmen, mit denen sich Beanspruchungen verringern lassen", sagt Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG BAU. Eine ergonomische Arbeitshöhe ist ein wichtiger Faktor. Wenn etwa Vormontagen in einer guten Haltung vorgenommen werden, sind beispielsweise Installateure weniger belastet. Auch sollten Fliesenschneider zum Beispiel auf einem Tisch statt auf dem Boden stehen. Sind Tätigkeiten im Knien und Hocken nicht zu vermeiden, kann durch regelmäßige Abwechslung für Entlastung gesorgt werden.

Zudem helfen ergonomische Hilfsmittel wie Knieschutzhosen mit Einlegepolster oder ein am Unterschenkel angebrachter Kniesitz, auf dem man auch sitzen kann und damit zugleich den Rücken entlastet. Auch Knierollwagen kommen in Frage. Durch Knieschützer entfällt der direkte Kontakt zu kalten und harten Böden, der auf die Schleimbeutel einwirkende Druck wird gleichmäßiger verteilt. Welcher Knieschutz zweckmäßig ist, hängt von der Art der Arbeit und vom Untergrund ab. Auch ein lose auf dem Boden liegender Knieschutz bietet sich bei manchen Arbeiten als Alternative an.

"Die BG BAU", so Bernhard Arenz, "bietet betrieblichen Praktikern einen Überblick über bewährte ergonomische Lösungen - geordnet nach verschiedenen Gewerken."

https://www.bgbau.de/service/angebote/ergonomische-loesungen/

Darüber hinaus unterstützt die BG BAU ihre Mitgliedsunternehmen durch Arbeitsschutzprämien. www.bgbau.de/praemien

Kniekolleg: Kostenloses Angebot der BG BAU

Bei der BG BAU versicherte Beschäftigte können durch sie prüfen lassen, ob ein beginnender Verschleiß des Kniegelenkknorpels vorliegt. Für solche Fälle bietet die BG BAU das Kniekolleg in Kooperation mit berufsgenossenschaftlichen Reha-Zentren an: In diesem kostenlosen Programm lernen Beschäftigte in täglichen Trainings- und Schulungseinheiten, auch auf speziellen Übungsbaustellen, wie sie mit berufsbedingten Belastungen der Knie besser umgehen. Das Kniekolleg hat das Ziel, dass sich Beschwerden bessern oder zumindest nicht weiter verschlimmern.

Alle Informationen und Kontakte auf einen Blick: Kniekolleg-Flyer

https://www.bgbau.de/service/angebote/medien-center-suche/medium/knieschutz/

https://ots.de/ZL8ZVC

https://www.bgbau.de/service/bildungsangebote/kniekolleg/

Eltern aller Kinder können Erziehungsexperten werden

Kindliches Problemverhalten ist weit verbreitet. Das hat sich durch den Lockdown und die Veränderungen des Alltags durch das Corona-Virus in vielen Familien sehr deutlich gezeigt. „Beim Blick in die Familie interessiert uns Ergotherapeuten, wie das Verhalten des Kindes mit den Handlungen und Reaktionen der Eltern zusammenhängt – Ursache und Wirkung korrelieren immer“, sagt Magdalena Müller, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Ihre Erfahrung zeigt: Das Verhalten beider lässt sich oftmals schon mit wenigen Veränderungen deutlich verbessern.

Es gibt eine Reihe von Ursachen, die bei Kindern zu Problemen in ihrer Entwicklung und ihrem Verhalten führen. Häufig ist es so, dass Kinder von Eltern, die beispielsweise eine Ehekrise durchleben oder psychische Belastungen oder Erkrankungen wie Depressionen haben, unter dieser Situation leiden. Ebenso ergeht es Kindern in Patchworkfamilien und anderen schwierigen Lebenssituationen, die es in Familiensystemen immer wieder gibt. Wie sich das auf die Kinder auswirkt, zeigt sich durch ihr Verhalten. „Wir behandeln Kinder mit Essstörungen oder Wutanfällen, Kinder mit störendem oder herausforderndem Verhalten, Kinder, die den anderen ständig ins Wort fallen, aggressiv sind“, beschreibt die Ergotherapeutin Magdalena Müller einen Teil des Spektrums von Verhaltensauffälligkeiten. Als genauso behandlungsbedürftig bezeichnet sie die stillen Kinder. Kinder, die sich nicht alleine fürs Schlafengehen fertig machen oder bis ins Schulalter bei den Eltern im Bett schlafen, Trennungsängste zeigen oder generell Angst haben, auch vor Ausflügen in Kita und Schule.

Vom Kinderarzt zum Ergotherapeuten Die Ergotherapeutin rät Eltern, sich frühzeitig vom Kinderarzt beraten zu lassen, selbst wenn das Kind noch klein ist. Kinderärzte sind Profis, die wissen, dass sich solche Probleme nicht „verwachsen“. Das Gegenteil ist der Fall: Die Probleme wachsen mit und manifestieren sich. Mit der Zeit werden aus Auffälligkeiten emotionale oder Anpassungsstörungen, es kommt bei manchen zu mangelnden zwischenmenschlichen Interaktionen und Ängsten. Mit deren Behandlung sollten Eltern besser nicht bis zum Eintritt in die Schule warten, denn dort kommen erfahrungsgemäß weitere Schwierigkeiten hinzu. Es ist daher ein Glück, sowohl für die Kinder als auch für deren Eltern, wenn Ärzte bereits in einem frühen Stadium der Problemsituation Ergotherapie verordnen. Im Rahmen der Diagnostik zeigt sich bei Ergotherapeuten wie Magdalena Müller meist auch, dass die Eltern sich eine professionelle Anleitung wünschen, um mit dem Verhalten ihres Kindes besser umgehen zu können. Manchmal genügt der bei Ergotherapeuten übliche Austausch mit den Eltern am Ende der Stunde mit dem Kind. Doch häufig fragen interessierte Eltern nach weiteren oder intensiveren Möglichkeiten, um sich bei nicht angemessenem Verhalten des Kindes souverän verhalten zu können.

Ergotherapeuten stärken die Erziehungskompetenz der Eltern … „Eltern wollen ja alles richtig machen, wissen aber nicht in jeder Situation, wie sie zielführend handeln oder mit klarem Kopf reagieren können“, weiß die Ergotherapeutin Müller. Sie bietet daher zusätzlich das Erziehungsprogramm Triple P an. Begeistert berichtet sie von den durch mehr als 180 Studien belegten Erfolgen des wissenschaftlich anerkannten Programms: „Wir können damit den Prozess des Bewusstwerdens und des Erkenntnisgewinnens bei den Eltern beschleunigen und in Folge verblüffende Wirkungen bei den Kindern erzielen“. Sie veranschaulicht das am Fall eines siebenjährigen Jungen, der wegen emotionaler Störungen zu ihr in die Praxis kam. Parallel zu seiner Behandlung hat die Mutter auf eigene Kosten eine der angebotenen Ebenen des Erziehungsprogramms – die so genannte Kurzberatung – wahrgenommen. Nach wenigen Beratungsterminen bei der Ergotherapeutin war das wichtigste Ziel auf Elternseite erreicht: Der Junge schlief zum ersten Mal seit seiner Geburt im eigenen Bett. Was gestressten Eltern wie ein Wunder erscheinen mag, ist auf positive Erziehungsstrategien zurückzuführen, die sich die Eltern in der Beratungszeit und durch das genaue Hinschauen und fokussiertes Wahrnehmen zuvor besprochener Situationen und Verhaltensweisen im Familienalltag erarbeiten. Unter Anleitung der Ergotherapeutin lernen und trainieren sie klare Aufforderungen auszusprechen, konsequent zu handeln und gleichzeitig eine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind zu pflegen.

… und parallel die Kinder Zusätzlich zu den Berichten des verordnenden Kinderarztes oder Kinder- und Jugendpsychiaters nehmen Ergotherapeuten üblicherweise eigene Assessments, also Befragungen, Tests und Beobachtungen, vor. Dabei zeigte sich im Fall des zuvor erwähnten Jungen, dass er nur über ein sehr geringes Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein verfügte. Fehlende motorische Fähigkeiten verstärkten seine Unsicherheit, die er auch nicht durch seine gut entwickelten kognitiven Fähigkeiten kompensieren konnte. „Als erstes hat der Junge das Fahrradfahren erlernt,“ berichtet Magdalena Müller und erklärt weiter, warum dies alles andere als banal ist: „Von Gleichaltrigen anerkannt werden und bei möglichst vielem was die anderen tun mithalten können, fördert das eigene Selbstvertrauen; Erfolg zu haben, steigert das Selbstbewusstsein“. Es ist eine Besonderheit dieser Berufsgruppe: Ergotherapeuten stellen den Alltag und die Betätigungsprobleme in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Mithilfe ihrer großen Methodenvielfalt befähigen sie ihre großen und kleinen Klienten und Patienten die Dinge zu tun, die für ihren Alltag wichtig sind und die sie in ihrer persönlichen Entwicklung fördern.

Näheres zum Erziehungsprogramm finden Interessierte unter www.triplep.de . Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeuten vor Ort; Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes im Navigationspunkt Service und Ergotherapeutische Praxen, Suche.

TÜV Rheinland: Mit „Arbeitstechnik-Training“ fit bleiben

Muskel- und Skeletterkrankungen haben im vergangenen Jahr rund 22 Prozent der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle verursacht. Dem Fehlzeitenreport der Allgemeinen Ortskrankenkassen aus dem Jahr 2019 zufolge sind dies bis zu 18 Fehltage. „Falsches Heben oder Tragen führt so zu erheblichen Ausfällen. Für die Unternehmen bedeutet dies hohe Kosten, für die Kollegen der Erkrankten erhebliche Mehrarbeit“, weiß Dominique Bialasinski, Expertin für Betriebliche Gesundheitsförderung bei TÜV Rheinland. Um dem vorzubeugen, bietet TÜV Rheinland ein individuell zugeschnittenes Arbeitstechnik-Training (ATT) für Unternehmen an.
Von der Arbeitsplatzanalyse zum individuellen Training

Das Training ist in einzelne Schritte von Gesprächen über Begehungen und Planungen bis zu Workshops gegliedert. Anschließend begleiten die ATT-Fachleute die Teilnehmenden mit einem „Training on the Job“ über mehrere Wochen direkt an ihrem Arbeitsplatz. „Schon kleine Änderungen im Arbeits- und Bewegungsablauf entlasten den Körper ungemein“, sagt Bialasinski. Solche Änderungen reichen vom richtigen Abstand zum Arbeitsgerät bis zur Entlastung der Gelenke bei Tätigkeiten im Stehen oder im Knien. Ebenso können die Experten zur Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz beraten.
Kollegen als Multiplikatoren

Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden die Maßnahmen nachvollziehen können und in ihren Tagesablauf integrieren. Um die Verbesserungen dauerhaft zu sichern, bilden die Gesundheitsfachleute von TÜV Rheinland im jeweiligen Betrieb zusätzlich Ergonomie-Multiplikatoren aus. So werden speziell geschulte Mitarbeitende zu innerbetrieblichen Ansprechpartnern. Dabei setzt das Team um Dominique Bialasinski auf eine ganzheitliche Vorgehensweise: „Die Verzahnung der Maßnahmen ist entscheidend für den Erfolg.“ Die Fachleute arbeiten dafür beispielsweise mit Sportwissenschaftlern zusammen, die Auswertung der Maßnahmen wird mit den Betriebsärzten besprochen. So lassen sich körperlich belastende Arbeitsprozesse nachhaltig optimieren und die Gesundheit der Belegschaft lässt sich langfristig verbessern.

01.10.2020 DGA | Quelle: TÜV Rheinland



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